Von der Idee der Mikrokredite habe ich vor einigen Jahren gehört, wahrscheinlich 2006, als Muhammad Yunus für seine Grameen Bank den Friedensnobelpreis gewann, vielleicht aber auch schon viel früher. Mikrokredite sind Kleinstkredite im Bereich 1 - 1000 € (laut Wikipedia). Die Kreditnehmer sind überwiegend Kleinstunternehmerinnen aus Entwicklungsländern. Die UNO sieht in den Mikrokrediten gar ein wirksames Mittel zur Bekämpfung der Armut, und hatte deshalb auch 2005 als das Jahr des Mikrokredites ausgerufen.
Als Mensch mit einem Gefühl für soziale Verantwortung haben mich die Mikrokredite von jeher fasziniert und ich hätte gerne selber Mikrokredite vergeben. Nicht aus finanzellen Überlegungen sondern rein aus Idealismus. Doch bis vor kurzem war es einzelnen Privatpersonen nicht möglich, sich an der Kreditvergabe zu beteiligen. Dank der Gründung von Kiva 2006, einem gemeinnützigen Unternehmen im Bereich Mikrokredite, und dem Internet kann auch ich meinen Teil zu dieser Art von Enwicklungshilfe beitragen. Bei Kiva kann man sich auch einer Community anschliessen. Die Schweizer Twitterer haben sich zur Gruppe "swisstweets" formiert, der ich auch angehöre. Wir konnten gemeinsam bereits einen Kreditbetrag von mehr als $35'000 vergeben! Wir nehmen gerne neue Member auf, und es müssen weder Schweizer noch Twitterer sein.
Mittlerweile haben auch die Industrieländer entdeckt, dass das Konzept der Mikrokredite auch bei uns ein Bedürfnis ist. Denn welche Bank leiht einem schon 2'500 SFR für den nächsten Adobe CS5-Update, damit der Flyer des Kunden X noch rechtzeitig in Druck kann (Ja, ja, Beispiel hinkt. Den Flyer kann man natürlich auch mit CS3 erstellen...). Nicht zuletzt soll die Mikrokreditvergabe das KMU und überhaupt erst die Gründung von KMUs fördern.
Kürzlich habe ich eine Veranstaltung mit dem Titel "Mikrokredite im Aargau" entdeckt und wurde so wieder auf das Thema aufmerksam. Im Kanton Aargau wird die Förderung von Kleinunternehmen ernst genommen. Die Mikrokredite scheinen dazu eines der Instrumente zu sein. Mehr dazu unter mikrokredite.ag. Auf den ersten Blick scheint mir der Kanton Aargau da sehr fortschrittlich.
Aber: "Der Kredit selbst ist ein Vertrag zu marktüblichen Konditionen zwischen der Aargauischen Kantonalbank AKB und dem/der Unternehmer/in." Zitat mikrokredite.ag. Was für mich bedeutet, dass ich dann gerade so gut einen Kleinkredit aufnehmen könnte. Wo wäre da der Unterschied? Mikrokredite werden ja oft wegen dem sehr hohen Zinssatz von 20% kritisiert. Wahrscheinlich zu Recht.
Und doch: Unternehmungsgründungen sind hoch im Kurs und Schweizer haben im Vergleich zum übrigen Europa generell einen ausgeprägteren Unternehmergeist. Auch die Bundespolitik hat die KMU als Rückgrat der Wirtschaft (wieder) entdeckt. Frauen sind auf dem Vormarsch, werden aktiv im Berufsleben, im gesellschaftlichen Leben. Auch die NEFU mit ihrer positiven Entwicklung hin zu einem professionellen Businessnetzwerk zeugt von diesem Trend. Und schliesslich: Die Gesellschaft strebt nach Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und Selbständigkeit und da kommen Konzepte wie die Finanzierung durch Mikrokredite gerade richtig.
Was haltet ihr von Mikrokrediten generell, Mikrokredite in Industrieländern, vom Zinssatz, vom Instrument zur Armutsbekämpfung? Habt ihr schon mal einen Mikrokredit vergeben oder aufgenommen?